Mittwoch, 12. Januar 2022

Twitter-Diät

Er scheint mittlerweile etwas aus der Mode gekommen zu sein, der Begriff "Microblogging" für die Nutzung von Twitter. Als Ausdruck suggeriert er einen irgendwie in sich geschlossenen und sinnvollen Diskursbeitrag, der über einen Social-Media-Dienst verbreitet wird und zugleich als Einladung zur Diskussion verstanden werden kann, die unmittelbar im Anschluss an den publizierten Tweet stattfinden kann.

Die Idee ist interessant. Aber die sozialen Medien haben sich mittlerweile eher in eine andere Richtung entwickelt. Sie sind immer öfter boulevardeske Massenmedien des Ressentiments geworden. Dass ihre Nutzung sehr viel Aufmerksamkeit kostet, kommt hinzu. 

Twitter wirkt oft wie Junk-Food. Man fühlt sich total informiert, bekommt aber in fünf Minuten mehr Anregungen und Lesehinweise, als man in fünf Tagen sinnvoll verarbeiten kann. Am Ende nimmt nur die verbrauchte Zeit zu - und der Frust, dass man viel zu vieles, was man hätte lesen müssen, nicht gelesen hat und vermutlich auch niemals lesen wird, weil inzwischen wieder weitere tolle und interessante Dinge aufgeploppt sind, die man ja unbedingt lesen muss ...

Ich werde daher mal etwas Twitter-Diät machen - und einfach nicht mehr reingucken. In der dadurch eingesparten Zeit werde ich ein paar sinnvolle Bücher und Aufsätze lesen, schreiben, nachdenken. Keine schlechte Perspektive! :)